Zeugnissprache:
Geheimcodes
zwischen den Zeilen


Erfahren Sie, wie die wichtigsten Geheimcodes der Zeugnissprache lauten.
 

Wahrheitsgemäß und wohlwollend soll es sein: Die Rede ist vom Arbeitszeugnis, auf das jeder Arbeitnehmer einen gesetzlich geregelten Anspruch hat. In der Praxis bedeutet das: Offene Kritik ist im Arbeitszeugnis tabu, versteckte jedoch nicht. So hat sich eine verklausulierte Zeugnissprache etabliert, die mit vermeintlich netten Formulierungen andere Personaler über die wahre Einschätzung des Arbeitnehmers informiert.

Nicht selten bergen die versteckten Botschaften und Geheimcodes in Arbeitszeugnissen allerdings großes Konfliktpotenzial. Mehr als 10.000 Prozesse an deutschen Arbeitsgerichten im Jahr sprechen eine deutliche Sprache. Wer als Zeugnisaussteller die Fallstricke der codierten Formulierungen nicht kennt, kann sich schnell Ärger einhandeln und vergibt wohlmöglich unbedacht eine ungewollt gute oder schlechte Bewertung.

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1. Schöne Worte, gute Bewertung?

Was auf den ersten Blick wie eine gut gemeinte und lobende Botschaft aussieht, ist nicht selten der Vorbote eines schlechten Urteils. Ob gewollt oder unbewusst formuliert: So eine Aussage kann für Arbeitnehmer ungeahnte Folgen haben – vor allem dann, wenn seine Bewertung zu Unrecht negativ ausfällt. Wer eine positive Bewertung abgeben möchte, sollte darauf achten, dass Doppeldeutungen gar nicht erst möglich sind. Denn im Zweifelsfall gilt immer die negative Auslegung.

„Er war bei Kunden schnell beliebt.“ = Verhandeln ist nicht seine Stärke.
„Sie zeigte Verständnis und Interesse für ihre Arbeit.“ = Sie hat nicht gut gearbeitet.
„Er war ein umgänglicher und kontaktbereiter Kollege.“ = Er war nicht beliebt.

Selbstverständliches gehört nicht ins Arbeitszeugnis

2. Selbstverständliches gehört nicht ins Arbeitszeugnis

Was im Arbeitszeugnis wie eine harmlose Aussage klingt, kann in der Zeugnissprache das genaue Gegenteil meinen. Sind Selbstverständlichkeiten wie beispielsweise das pünktliche Erscheinen im Arbeitszeugnis beschrieben, ist dies allerdings ein denkbar schlechtes Zeichen. Denn offensichtlich gab es nichts Positiveres über den Arbeitnehmer zu sagen.

„Sie erschien stets pünktlich zur Arbeit.“

Formulierungen sind kontextabhängig

3. Formulierungen sind kontextabhängig

Zeugnissprache kann auf den ersten Blick durchaus widersprüchlich erscheinen, da viele Formulierungen sowohl negative als auch positive Aussagen haben können – je nachdem, in welchem Kontext sie stehen. Bedenklich wird es immer dann, wenn die Belege zu den Aussagen fehlen. Ein Beispiel:

Wer mit "Fleiß und Interesse" seiner Arbeit nachgeht, kann mit „herausragenden Ergebnissen überzeugen“. Fehlt jedoch der Zusatz zur Erfolgsorientierung, hat die Zeugnisformulierung eine negative Konnotation.

Kurz und knapp = gut?

4. Kurz und knapp = gut?

Ob gut oder schlecht: Entscheidend ist, was drin steht oder auch was NICHT drin steht. Denn oft ist bereits das Weglassen von üblichen Informationen ein Code. Fehlen wichtige Aspekte oder sprachliche Zusätze kann dies auf eine negative Beurteilung hindeuten. Im folgenden Beispiel fehlt beispielsweise der Hinweis auf eine gute Beziehung gegenüber Vorgesetzten.

Im Kollegenkreis war er als toleranter Mitarbeiter beliebt. = Gegenüber den Vorgesetzten war er dies nicht.

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5. Aktivformulierungen vs. Passivformulierungen

Von Mitarbeitern in höheren Positionen erwarten Arbeitgeber in der Regel ein gewisses Maß an Eigeninitiative. Eine Passivformulierung im Arbeitszeugnis deutet jedoch das genaue Gegenteil an: Der Arbeitnehmer zeigte wenig Engagement.

„Ihr wurden die Aufgaben XY übertragen.“
„Sie wurde für folgende Tätigkeiten eingesetzt:“

Aktivformulierungen vs. Passivformulierungen

Zwischen den Zeilen – versteckte Botschaften der Zeugnissprache

In der Regel verbergen sich die geheimen Codes der Zeugnissprache insbesondere in der Leistungsbeurteilung und in der Schlussformulierung. Dennoch können auch fehlende Informationen sowie ungenaue oder kurze Formulierungen im gesamten Zeugnis Hinweise auf eine schlechte Bewertung geben. Außerdem bilden die enthaltenen Informationen die Grundlage für die Interpretation der Zeugnissprache.

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1. Überschrift

Es mag banal klingen und ist dennoch wichtig: Das Zeugnis braucht die Überschrift „Arbeitszeugnis“. Ebenso ist das Firmenbriefpapier mit den vollständigen Angaben zum Arbeitgeber bei einem qualifizierten Zeugnis unverzichtbar.

2. Personenbezogene Daten

Zu den personenbezogenen Daten, die im Zeugnis auftauchen müssen, gehört lediglich der vollständige Name des Zeugnisempfängers. Das Geburtsdatum und der Geburtsort werden nur auf ausdrücklichen Wunsch des Zeugnisempfängers aufgenommen, da sie ansonsten ein Verstoß gegen das AGG darstellen könnten. Außerdem gibt das Zeugnis den Zeitrahmen an, in dem der Arbeitnehmer im Unternehmen tätig war.

3. Unternehmensdarstellung

Die Unternehmensdarstellung ist in Arbeitszeugnissen ein optionaler Part. Als Zeugnisersteller dürfen Sie wählen, ob Sie die Angabe hinzufügen oder weglassen. Anderen Personalern kann sie allerdings wichtige Hinweise zur Arbeitsweise eines Unternehmens liefern. So wird in einem Start-up der IT-Branche höchstwahrscheinlich sehr viel agiler als in einem alteingesessenen Konzern gearbeitet. Ist eine solche Formulierung im Zeugnis enthalten, können Sie als Personaler besser einschätzen, ob ein Bewerber zu Ihnen passt oder nicht.

4. Werdegang/Tätigkeitsbeschreibung

Von sehr gut bis ausreichend ist im Arbeitszeugnis alles möglich. Anders als im Schulzeugnis wird die Note allerdings sprachlich umschrieben. Die Benotung bewertet verschiedene Teilaspekte wie die Motivation eines Arbeitnehmers, sein fachliches Können, berufliche Erfolge und die Arbeitsweise. In der Regel wird die Gesamtnote abschließend in einem Satz ausgedrückt, der in etwa wie folgt lautet: Seine Arbeit hat XY stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt.

5. Leistungsbeurteilung

Von sehr gut bis ausreichend ist im Arbeitszeugnis alles möglich. Anders als im Schulzeugnis wird die Note allerdings sprachlich umschrieben. Die Benotung bewertet verschiedene Teilaspekte wie die Motivation eines Arbeitnehmers, sein fachliches Können, berufliche Erfolge und die Arbeitsweise. In der Regel wird die Gesamtnote abschließend in einem Satz ausgedrückt, der in etwa wie folgt lautet: Seine Arbeit hat XY stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt.

6. Bewertung des Sozialverhaltens

Die Zeugnissprache zum Sozialverhalten kann durchaus tückisch sein. So ist eine beliebte Methode, um Beurteilungen abzuwerten, die Reihenfolge-Technik. Das Verhalten gegenüber Vorgesetzten wird bei ihr erst an zweiter Stelle genannt, was bei einer guten Bewertung andersherum ist. Die Negationtechnik weist hingegen durch verneinende Negativbegriffe auf fehlende zwischenmenschliche Kompetenzen hin. Ebenso entspricht eine fehlende Formulierung zum Sozialverhalten einer negativen Bewertung (Beredtes Schweigen).

„Ihr Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war einwandfrei.“

„Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen gab keinen Anlass zur Klage.“

7. Ausstellungsgrund

Es mag banal klingen und ist dennoch wichtig: Das Zeugnis braucht die Überschrift „Arbeitszeugnis“. Ebenso ist das Firmenbriefpapier mit den vollständigen Angaben zum Arbeitgeber bei einem qualifizierten Zeugnis unverzichtbar.

8. Schlussformulierung: Bedauern, Dank und Zukunftswünsche

Aus diesem kurzen Abschnitt im Zeugnis ist oft weitaus mehr herauslesbar als aus dem gesamten Zeugnis. Verstärkt die Wortwahl den positiven Gesamteindruck oder dreht sie die Aussagen komplett ins Gegenteil? Die Abschlussformel ist rechtlich jedoch nicht verpflichtend. Der Zeugnisempfänger hat keinen Anspruch darauf. Trotzdem wird ihr Fehlen oft bereits als negatives Zeichen ausgelegt.

9. Unterschrift und Datum

Nicht nur die passende Wortwahl bei der Leistungsbewertung, das Nichtgesagte beim Sozialverhalten oder die fehlenden Zukunftswünsche sind entscheidend: Selbst Datum und Unterschrift können versteckte Botschaften enthalten. Liegt das Ausstellungsdatum des Arbeitszeugnisses beispielsweise drei Monate vor dem Ausscheidungstermin, deutet dies auf eine mögliche Freistellung hin. Ist ein sehr viel späteres Datum angegeben, kann dies auf Schwierigkeiten mit dem Arbeitnehmer hinweisen.

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